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Bildungs­haus im
Renais­sance­schloss

Die Anfänge

Die erste schriftliche Erwähnung des Ansitzes geht auf das Jahr 1170 zurück. Schloss Goldrain wurde etwa 1323 von der Adelsfamilie der Scheck von Goldrain zum freistehenden Ansitz ausgebaut. Das exakte Baudatum ist nicht bekannt, jedoch wurde bei Eichenbalken im Erdgeschoss das Schlägerungsdatum auf das Jahr 1335 oder kurz danach angesetzt.
Dann fiel das Anwesen an die Familie Hendl.
Jener Nordtrakt bestand ursprünglich aus einem rechteckigen Wohnhaus. Um 1530 ließ der damalige Eigentümer diesen Bau etwas vergrößern. An die Ostseite des Altbaus wurde ein großer, zweigeschossiger Erker angefügt, auf dem sich in einem Dreipass aus weißem Marmor die Wappen von Österreich, Hendl und Ramschwag befinden.

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Geist der ­Renaissance

Im Jahre 1562 ließ Franz Hendl an die Nordfassade im oberen Stockwerk zwei Erker anbauen, um mehr Licht und Wohnqualität in die Räume zu bringen. Anschließend begann Franz Hendl, südlich der bestehenden Bausubstanz einen neuen Trakt errichten zu lassen. Nach und nach entstand der quer über die ganze Front verlaufende Südflügel. Eine Verbindung zwischen beiden Gebäudeteilen wurde durch eine Brücke mit aufgesetzten Arkaden hergestellt. Im neuen Südtrakt (piano nobile) befanden sich die repräsentativen Wohnräume.
In der Südwestecke des Trakts befindet sich im zweiten Stock mit dem Rittersaal der größte Raum des Schlosses. Am Marmorportal zum Rittersaal befindet sich die Inschrift „1588 Franntz Hendl zu Goldrain Ritter Für. (stlich) Dur. (chlauchtigster) Raht und Landhaubtmann an der Etsch“. Der Saal ist mit einer prunkvollen Kassettendecke ausgestattet. Ein prächtiger Arkadengang führt vorbei an den Wohnräumen, wie beispielsweise der kunstvoll ausgestatteten Kapellenstube, und bildet die Verbindung zum ursprünglichen Schlossgebäude.

Von seinem Sohn Ulrich wurde der Neubau vollendet, er errichtete auch die Kapelle sowie die wuchtige Ringmauer mit den Eckrondellen.

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Ring­mauer ­und Türme

Fertig­stellung und Neu­verwendung

Ulrich Freiherr Hendl ließ zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine imposante, verputzte Ringmauer mit einer Höhe bis zu sieben Metern errichten. An jeder Ecke befindet sich ein Rundturm mit Kegeldach. Die Türme haben drei Stockwerke, von denen das Dachgeschoss jeweils als Taubenschlag genutzt wurde. Einem militärisch organisierten Angriff hatten die Mauern nichts entgegenzusetzen, da sie mangels Wehrgängen nicht verteidigungsfähig waren. Als Eingang dient ein prunkvolles Marmorportal in der Südmauer.

Im Jahre 1863 erlosch die Familie der Grafen Hendl von Goldrain. Erbe des Hendlschen Besitzes war die Familie Plawenn, die das Gebäude noch im gleichen Jahr um 18.000 fl an die Gemeinde Goldrain verkaufte. Diese tauschte die Liegenschaften mit der katholischen Kirche, aus deren Besitz das Gebäude dann in das Eigentum der Gemeinde Latsch überging.

Während des Zeitalters des Faschismus saß der oberste Verwaltungsbeamte (podestà) im Schloss, das in dieser Zeit und in den folgenden Jahrzehnten völlig herunterkam, da auch die Einrichtung nach und nach verschwand. Im Zweiten Weltkrieg wurde es unter anderem von der SS als Stützpunkt im Vinschgau genutzt. Nach dem Kriegsende wurde es zunächst von alliierten Truppen besetzt und dann Rücksiedlern als vorläufige Unterkunft überlassen. Die eingerichtete Schule wurde vergrößert, es kamen ein Kindergarten und ein Lager der Freiwilligen Feuerwehr hinzu.

Die steigenden Unterhaltskosten brachte die Gemeinde Latsch dazu, über einen Verkauf nachzudenken. Nachdem eine Versteigerung scheiterte, wurden weitere Überlegungen über die Verwendung des Gebäudes angestellt. Im Jahr 1985 ließ das Landesdenkmalamt die Dächer sanieren. Ab 1987 wurde das Schloss mit Unterstützung des Landes saniert, sodass seit 1987 das Gebäude als Bildungshaus verwendet werden kann.

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